Viel Spass beim Lesen
 meiner Briefe
!!!


      1. Brief  Mein Umzug nach Senzig


     2. Brief  Das Erlebnis mit der
         Astgabel, Pinscherrennen,
         Pilzesuchen 

           
     3.Brief 
Aischa und Yule -
        eine Liebesgeschichte

 
1. Brief      (Aischa berichtet von ihrem Umzug nach Senzig)

Hallo, liebe Pinscher-Freunde,

heute möchte ich mich vorstellen. Ich heiße Aischa Del Fharo und bin ein schwarz-rotes deutsches Pinscher-Mädchen. Meine Menscheneltern, auch Züchter genannt, sind Sabine Hepting und Ernst Theisen-Krosse, die zusammen mit meinen Hunde-Eltern Duffyco’s Fharo und Duffyco’s Kariss im Bayrischen Wald wohnen. Ganz stolz bin ich darauf, dass mein Papa, dem ich im Gesicht sehr ähnlich sehe, bereits mehrfach Deutsche Champion wurde und meine Mama eine Klubsiegerin ist. Selbstverständlich sind beide frei von erheblichen Augenkrankheiten und auch HD-mäßig ist bei ihnen alles in Ordnung. Im Haus mit großem Garten verbrachte ich ein sehr glückliche Babyzeit. Mit meinen Hunde-Eltern und 11 Geschwistern konnte ich nach pinscherart überall umher wuseln. Zusammen mit meinen 5 Schwestern und 6 Brüdern habe ich das Autofahren gelernt. Im zarten Alter von 8 Wochen besaß ich die ersten Fremdsprachenkenntnisse, ich wusste, was das Wort “nein” bedeutet.

Genau an meinen 8-wöchigen Geburtstag am 18. März 2005 bin ich nach Brandenburg umgezogen und wohne nun in Senzig bei Königs-Wusterhausen im Randgebiet von Berlin. Als ich an diesem Tag mein neues Frauchen, Astrid Venthur, zum ersten mal erblickte, spürte ich eine riesengroße, kuschelweichwarme Liebe.
 
Stellt Euch vor, auf der endlos langen Autofahrt im Körbchen neben meinem neuen Frauchen hatte ich kein einziges mal Heimweh und habe überhaupt nicht geweint. Es gab so viel Neues zu entdecken. Da ich nie gelernt habe, was Angst ist, war alles sehr spannend. Vorne lenkte Frank das Auto, neben mir saß die große Liebe und hinter mir ein Riese von Hund. Er heißt Barry und ist ein Schäferhund. Ich habe sofort gerochen, dass er ganz lieb ist und mein neuer großer Freund und Vaterersatz werden wird. Das alles gab mir ein unheimliches Selbstbewusstsein. Nach über 600 Km Autofahrt kam ich ausgeschlafen und voller Tatendrang endlich in meinem neuen Zuhause an. Ich hopste über Wohnzimmer-Couch und Tisch. Deutsche Pinscher sind Meister im Hochsprung. Das hatte Frauchen in ihrem Wegräum-Fimmel nicht bedacht. Ich kroch unter Schränke. Ich rannte mitten durch Frauchens Gartenstauden, kämpfte mit liebevoll gepflegten Sträuchern und widmete mich sofort der Gartenarbeit, dem Umgraben und Beschneiden. Insgeheim war Frauchen am ersten Tag unserer Bekanntschaft sehr entsetzt. Sie hatte sich keinen Hund, sondern ein Wusel ins Haus geholt. Zum Glück merkte sie aber bald, dass ich das Wort "nein" bereits kannte und dass ich überhaupt kein Teufelchen und Zerstörer bin und eigentlich alles richtig machen will. Da mein Frauchen aus mir unbegreiflichen Gründen nicht möchte, dass ich ihr bei der Gartenarbeit helfe, lasse ich es eben bleiben. Sogar leckere Menschen-Schuhe haben meine kindliche Sturm- und Drangzeit überlebt. Als Ausgleich schenkte mir Frauchen viele Kauknochen aus Büffelhaut und Hunde-Spielzeug. Meine liebsten Spielzeuge waren jedoch ein selbst eroberter Handfeger und Plaste-Flaschen, die ich passgerecht für den Grünenpunkt-Sack platt machte. Auf  ihrem Arm trug mich Frauchen durch den Wald, zeigte mit mir mein großes Revier und schenkte mir eine Buddelkasten, wo ich nach Herzenslust wühlen und buddeln kann.

Früher besaß mein Frauchen eine Dalmatiner-Hündin. Sie hieß Dascha und wurde 13 Jahre alt.  Als Dascha Artrose bekam und ihr das Laufen immer schwerer fiel, wurde mein Frauchen ein Fahrstuhl und hat sie die Treppe im Haus hoch und runter getragen. Mit 25 Kg war Dascha ganz schön schwer. Daher entstand ihr Wunsch, dass der nächste Hund eine Gewichtsklasse leichter sein sollte, aber mit ähnlichem Charakter, kurzem wohlriechenden Schmuse-Fell und genauso lauffreudig - also ein Deutscher Pinscher. Als Dascha starb, hat mein Frauchen einen ganzen Monat lang geweint. Doch dann trat ich, "ihr Sonnenschein" oder "tragbarer  Dobermann", wie mich Frauchen oft nennt, in ihr Leben. Und so wurde der Schmerz gelindert.
Das "scha" in meinem  Namen ist ein Andenken an Dascha, die 13 Jahre lang ein treuer Freund und Partner von Frauchen war. Im Garten gibt es eine verbotene Zone. Dort liegen auf Daschas Grab herzförmige Steine, die ich nicht stehlen darf. Mein Frauchen war früher Dalmatiner-Züchterin, doch im ersten Wurf gab es taube Hunde. Damit war der Traum von der Hundezucht vorbei und Dascha wurde kastriert. Einen zweite Wurf zu riskieren, wäre in Frauchens Augen verantwortungslos gewesen.

Wenn ich groß bin, möchte ich auch Welpen haben. Doch bis dahin ist es noch ein langer, langer Weg. Ich bin mir sicher, dass es Frauchen nur erlauben wird, wenn bei mir alles tadellos in Ordnung ist, ich frei von Augenkrankheiten und HD bin sowie erfolgreich viele Ausstellungen besucht habe.

Wenn ich Euch gefalle, schaut mal wieder rein in meine Pinscher - News. Das wird ganz spannend, denn ich habe schon viele Abenteuer erlebt. Mein Frauchen und ich werden Euch erzählen, wie ich badete, Pilze suche, im Pinscherrennen gewann und vieles mehr.

Bis bald und mit freundlichen Pinscher-Grüßen

Aischa Del Fharo


2. Brief    (Aischa berichtet von ihren Erlebnissen im 1. Lebensjahr)

Hallo Pinscher-Freunde,

entschuldigt, ich habe mich lange nicht gemeldet. Anstatt Briefe am Computer zu diktieren, sind Frauchen und ich viel lieber im Wald spazieren gegangen. Nicht der Computer, sondern Tiere, Bäume, Pflanzen, Garten und vor allem Hunde sind Frauchens Freunde. Am 18. März werde ich ein Jahr alt. Die Zeit vergeht so schnell !

Ich habe viel erlebt, bin Bus, S-Bahn, Straßenbahn, Fahrstuhl und Zug gefahren; war in Kaufhäusern und unter Restauranttischen, habe Welpenspielstunden besucht und gelernt, wie ich mir Barry, meine großen Schäferhund, nützlich mache. Wenn ich, zum Beispiel, morgenmuffelig bin und faul im gemütlichen Körbchen liege, brauche ich nur lange genug zu bitten (bellen) und das vor mir liegende Spielzeug anzustarren und schon bringt er es mir und legt es direkt vor meine Nase.
 
Auf Straßen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Geschäften oder in Gaststätten bin ich eine junge Dame und weiß wie ich mich zu benehmen habe.
 
Aber im Wald mutiere ich zum wilden Wusel:
Mein Jagdgebiet ist ein Radius von 8 Metern Roll-Leine rund ums Frauchen. Ich strotze vor Kraft und Ausdauer, kann nur galoppieren und springen und würde sooo gerne den vielen Duftspuren von Rehen, Hasen und Wildschweinen hinterher jagen. Da ich mein Größe nicht kenne, bin ich ein Wolf und möchte jedes Wildschwein erlegen. Doch Frauchen erlaubt es nicht, weil sie Angst um mich hat, und außerdem die Meinung vertritt, dass wir nur Gast im Wald sind und dieser unwiderruflich den Wildtieren gehört. Also laufe ich angeleint umher und dachte, wir würden wenigstens etwas schneller voran kommen, wenn ich Frauchen mit aller Kraft vorwärts ziehe. Doch diese Hilfsbereitschaft fand keinen Anklang. Frauchen begann zu überlegen, wie man, ohne mein momentanes Laufbedürfnis einzuschränken, ein wildes Wald-Wusel zähmen könnte. So kam ihr die grandiose Idee, unsere Spaziergänge fortan mit einem lustigen Pfeifkonzerten zu begleiten. Immer, wenn das Ende der Auslauf-Leine erreicht ist (und das passiert bei meinem Tempo dauernd) pfeift Frauchen. Ich muss dann ganz schnell entscheiden, ob ich ein paar Schritte zurücklaufe, ob ich stehen bleibe oder wenigstens die Richtung ändere. Reagiere ich nicht, gibt es einen heftigen, unangenehmen Leinenruck. Frauchens Hand-  und Armmuskelkater wurde in der anfänglichen Übungsphase durch Mund-Muskelkater ersetzt. Doch sie gibt nicht auf, denn wir Deutschen Pinscher wollen mit liebevoller Konsequenz erzogen werden und sind lernfähig. Schnell erkannte ich meine neue Aufgabe, den Weg nach beiden Seiten zu sichern und wusel nun im Zick-Zack-Kurs.

Drei Geschichten aus frühester Kindheit habe ich versprochen:
 
Zuerst möchte ich erzählen, wie ich, ein handfegergroßes Pinscher-Baby, anbadete:

Mein Frauchen dachte, sie steigt als Rudelführer in meiner Achtung, wenn sie vor mir angibt und mir zeigt, was sie alles kann. So kam Frauchen auf die Idee, im Wald auf Hochstände zu klettern oder Leckereien auf den Weg zu werfen, an denen ich angeblich vorbei gelaufen war, um sie mir  mit den Worten “such Fleisch” zu zeigen.
Einmal ist es mir jedoch gelungen, den Spieß umzudrehen und Frauchen war von mir beeindruckt! Frauchen wollte ihrem wasserscheuen Pinscherlein, welches sich freiwillig bei Regenwetter keine drei Schritte vor die Tür wagt, zeigen, wie gut sie schwimmen und tauchen kann. Ich trug damals noch meine kurze, rote Welpenleine. Die passte nicht um die Bäume, die in Ufernähe standen. Frauchen leinte mich daher an einer angeschwemmten Astgabel an, die etwa zwei Meter lang 15 cm dick war. Dann ging Frauchen in das nasse Wasser und war plötzlich verschwunden. Viel größer als meine Furcht vor dem Wasser war die Angst, mein liebes Frauchen zu verlieren! Also zog und zog ich und rannte hinein in das kalte Wasser. Plötzlich berührten meine Pfoten keinen Boden mehr und ich bin geschwommen, die dicke, schwere, vom Wasser vollgesogene Astgabel hinter mir herziehend. Wolfskräfte sind mir dabei gewachsen. Als Frauchen vom Tauchen aufblickte, hatte ich sie fast erreicht. Frauchen bekam eine großen Schreck, denn die Astgabel war schwer und zog mich nach unten, so dass nur noch meine Nase, Augen und Ohren aus dem Wasser heraus kuckten. Wegen meines Mutes war Frauchen unendlich stolz auf mich. Ich wurde abgetrocknet und mit einer Extraportion Leckerlis, die Frauchen immer in der Tasche hat, belohnt.

Mein Frauchen liebe ich über alles. Dies war auch der Grund, weshalb ich, die jüngste Teilnehmerin am Pinscherrennen, gegen einen ausgewachsenen Pinscher gewann. Das 3. Pinschertreffen fand in Berlin-Reinickendorf auf einem sehr schönen Hunde-Sportplatz statt. Alle Hunde durften frei umherlaufen und wir haben uns prima vertragen. Höhepunkt war das Pinscherrennen, wo jeweils zwei Pinscher auf abgesteckten Bahnen ihrem Herrchen oder Frauchen, denen ein gebührender Vorsprung eingeräumt wurde, nachjagen mussten. Als das Startkommando kam und man mich endlich rennen ließ, wurden mein Füße ganz schnell. Ich wollte mein Frauchen, die aus unerklärlichen Gründen vor mir weg rannte, nicht verlieren. So überholte ich den großen, langbeinigen Pinscher und wurde Sieger. Das Belohnungsfleisch durfte ich aus dem goldenen Pokal genießen, den ich als jüngste Teilnehmerin erhielt

Eine Lieblingsbeschäftigung von Frauchen ist das Pilzesuchen. Früher hatte sie immer ihre Dalmatinerhündin Dascha mitgenommen. Durch jahrelange Erfahrung hatte Dascha gelernt, was Frauchen da sucht, wenn sie mit einem Korb durch das Unterholz wandert. So fing Dascha an, gezielt dorthin zu laufen, wo es nach Pilz roch. Eine Weile hat es gedauert, bis Frauchen begriff, dass sie ganz entspannt der Leine hinterherlaufen muss, um ihren Korb zu füllen. Dascha ist nie an einem Pilz stehen geblieben, aber die Richtung stimmte immer. Wenn Frauchen alleine loszog, hatte sie nie einen so vollen Korb, weil sie oft vergebens in pilzleeren Gebieten suchte. Dieses gegenseitige Verstehen und Zusammenarbeiten basierte wie gesagt auf  jahrelanger Erfahrung. In meiner Erziehung wollte Frauchen alles schneller und besser machen. Sie zeigte mir Pfifferlinge und Steinpilze, freute sich überschwänglich darüber, indem sie nach hundeerziehungsart in den höchsten Tönen jubelte und reichte mir jeweils eine Kostprobe. Tolle Dinger, die schmeckten mir wirklich vorzüglich! Und eine gesunde Nase habe ich auch. Pech für Frauchen, dass meine Schnauze immer viel schneller war, als ihre Hand. Schwupp’s waren alle Pfifferlinge ausgegraben und von mir verspeist. Hunde sind Egoisten und das Beuteteilen liegt nicht in unserer Natur! Nun bekam Frauchen Angst, dass ich auch giftige Pilze fressen könnte. Aber es besteht kein Grund zur Sorge. Meine Nase ist gut und ich bin nicht dumm. Ich fresse nur Pfifferlinge und Steinpilze, also nur die Sorten, die mir Frauchen zum Kosten gab. Alles andere, auch ähnliche essbare Pilze wie Maronen, lasse ich stehen. Frauchen wird sich hüten, mir weitere Sorten zu zeigen.
 
(Eine Anmerkung von Frauchen: Pfifferlinge und Steinpilze sind in unserem Wald recht selten. Daher ist nicht zu befürchten, dass Aischa zu viele davon frisst. Hätte ich jedoch den Bericht über die Pinscher-Hündin, die qualvoll an einer vom Tisch gestohlenen großen Menge Rosinen starb, früher gelesen, wäre ich mit Sicherheit vorsichtiger gewesen. Ein ausgewachsener Hund frisst alles, was er im Welpenalter zu fressen gelernt hat. Man sollte sich also davor hüten, Sachen anzubieten, die in größerer Menge eventuell gesundheitsschädlich sein könnten.)

Kommenden Sonntag fahren wir zum Hundesportplatz der Ortsgruppe Berlin-Erpetal. Endlich sind Schnee und Eis geschmolzen und wir können wieder üben. Damit ich auf Ausstellungen im Ring nicht so wuselig bin und mich in der Jugendklasse schön präsentiere, müssen Frauchen und ich noch einiges lernen.  Am 1. April nehme ich an einer Klubsiegerausstellung in den Messehallen unter dem Berliner Funkturm teil und am 2. April will mich Frauchen dort auf der Internationalen Rassehundeausstellung zeigen. Im vergangenen Jahr, als ich noch zur Jüngstenklasse gehörte, haben die Richter entdeckt, dass ich eine sehr schöne Hündin bin. Weil ich die Beste im Vorführ-Ring war, erhielt ich neben der Bewertung  "V V" (vielversprechend) auch noch ein Sternchen. Seither nennt mich Frauchen manchmal  ihr "V- V- Sternchen" !
Bis bald und mit freundlichen Pinscher-Grüßen.

Aischa Del Fharo


3. Brief      (Aischa und Yule - Eine Liebesgeschichte)

Hallo Freunde,
es gibt neue Neuigkeiten!!! Ich bin nun erwachsen und nach Menschenalter umgerechnet zwanzig Jahre alt. Bin nun kein kleines Pinscherlein mehr sondern eine Frau und habe Yule vom Nordkristall geheiratet. Vor unserer Hochzeit habe ich ihn zwei mal getroffen. Als er mich auf meinem Pinscher-Schnauzer-Übungsplatz der Ortsgruppe Berlin-Erpetal besuchte, war ich sofort in Yule verliebt. Ich habe ihm wohl auch gefallen, denn zwischen Weihnachten und Neujahr hat er mich besucht.Wir sind im Garten herumgetobt und zusammen mit unseren Eltern durfte ich ihm mein Wald-Revier zeigen. Es war ein schöner langer Spaziergang entlang von Krüpelsee und Dame. Yule weiß wo rechts und wo links ist. Sagt sein Frauchen, gehe nach rechts, läuft er den rechten Waldweg lang und mit links funktioniert es auch. So kann er sich im fremden Revier an der Auslauf-Leine nicht verlaufen. Das hat mich schwer beeindruckt, denn es beweist, Yule ist nicht nur schön und von edler Abstammung, er ist auch intelligent und von Beruf Fährtenhund - ein Traummann!!! Ich konnte es kaum erwarten, läufig zu werden.

Bereits am achten und neunten Läufigkeitstag war mir so komisch zumute. Ich hatte große Sehnsucht nach Yule, doch wo war er nur? Also wollte ich mich mit Barry, meinem großen Schäferhund-Freund trösten. Doch Barry wollte nichts von mir wissen. Er mag nicht zusammen tanzen, nur auseinander. Dabei hatte ich mir solche Mühe gegeben, bin vor ihm rum getänzelt, hab ihm gezeigt wie es geht, hab ihm die Schnauze geleckt und ihn gebissen. Weder die zärtliche noch die brutale Art hat ihm gefallen und er hat mich nicht in den Arm genommen. Frauchen lachte mich aus und sagte "Barry kann doch nicht mehr". Doch was bedeutet das? Ich habe es nicht verstanden.

Am 20.01., meinem  zehnten Läufigkeitstag  war es dann endlich soweit. Weil Frauchen so aufgeregt war, wusste ich, dass mich etwas ganz Besonderes erwartet. Frank, Frauchen und ich sind ins Auto gestiegen, irgendwo hin gefahren, haben einen Spaziergang gemacht und sind dann in ein Haus gegangen, was ganz intensiv nach Yule roch. Ich durfte mir sein Wohnungsrevier ansehen. Dann kam mein Traummann ins Zimmer. Er hat mich sofort geliebt und in den Arm genommen. Wir wollten uns etwas verstecken und haben unter dem Wohnzimmertisch aus Marmor Polonaise getanzt. Doch unsere Frauchen fanden unser Versteck nicht so toll. Ihre Männer mussten die schwere Marmortischplatte über unseren Köpfen abtragen. Frauchen hat mich beruhigt und mir gesagt, dass ich mich nicht verstecken brauche und alles richtig mache. So war das Zusammensein mit Yule ein schönes Erlebnis. Wieder zu Hause angekommen habe ich mich sofort in mein Körbchen gelegt und von Babys geträumt. An meinem zwölften Läufigkeitstag haben wir Yule erneut besucht. Kaum zur Tür hereingekommen, Yule war noch gar nicht da, habe ich gelacht und auf dem Korridor Luftsprünge gemacht. Ich konnte meine Vorfreude nicht beherrschen und bin wie ein Federball umher gehopst. Dann kam Yule und unser zweites Treffen war noch viel schöner als das erste. Zwei Tage später, an meinem 14. Läufigkeitstag, haben Yule und ich ganz toll getobt und gespielt, aber auf eine richtige Polonaise hatten wir keinen Bock mehr. Also konnten die Männer den Wohnzimmertisch wieder aufbauen.

Und nun, vier Wochen später, bin ich so müde. Ich habe keine Lust mehr, mit Barry zu toben, will nur noch schlafen, dabei möglichst gestreichelt werden und von Wusel-Babys träumen. Meine Taille ist auch nicht mehr schlank und schick. Ob ich zu viel fresse? Frauchen gibt mir zusätzliche Leckereien, die ich bis dato noch nicht kannte, Vitamin-Tabletten und leckere Bierhefe. Liegt es daran? Sind die etwa kalorienhaltig und verderben meine schöne Figur? Frauchen umsorgt mich ganz besonders, denn ich bin sooo schmusebedürftig. Ganz brav laufe ich an der Lederleine durch unsere Straßen und bin auch in meinem Wald-Revier kein wildes Wald-Wusel mehr. Frauchen sagt, es würde ihr gefallen, wenn ich immer ein bischen schwanger wäre. Das verstehe ich nicht, was meint sie wohl damit??? Mal sehen, was weiter passiert. Frauchen sagt, spätestens in zwei Wochen dürfte man etwas sehen. Doch was sieht man dann??? Ich bin gespannt und ihr sicherlich auch. Also gedulden wir uns.

Bis bald und ein freundliches Wau
von Aischa
 
 
 
 
 

 

 

 

 

Was

uns

Wölfe

lehren

 

(für Frisco)

 
 
 
 
Dies ist die Geschichte von einem Jungen, der vom Hund der Familie gebissen bzw. geschnappt wird und
möglichen Verhaltens-Parallelen von in Freiheit lebenden Wölfen.
(Gehege-Wölfe verhalten sich mitunter anders, da oft keine verwandtschaftliche Bindung vorliegt und
keine Möglichkeit der Abwanderung besteht (1))

Literatur u. a.:
L. David Mech: (1) Alpha-Status, Dominanz und Arbeitsteilung in Wolfsrudeln, 1999
Farley Mowat: Ein Sommer mit Wölfen
Erik Zimen: Der Wolf: Verhalten, Ökologie und Mythos
Günter Bloch: Der Wolf im Hundepelz
Elli H. Radinger (2): Wolfsmagazin (siehe Link auf meiner Homepage), Die Wölfe von Yellowstone

Anmerkung: ( ) = "Fussnote"
 
 
 
 
Tief im Herzen der Rocky Mountains lebte ein Wolfsrudel. Der Begriff  "Rudel" (2) ist jedoch bei Wolfs-Freiland-Forschern nicht mehr üblich, man spricht vielmehr von Familienverbänden oder Gruppen. Diese Begriffe beschreiben das soziale Verhalten der Wölfe untereinander viel besser. Laut L. David Mech (1) ist eine in Freiheit lebende Wolfsgruppe für gewöhnlich eine Familie, die sich aus einem Elternpaar und dessen Jungen der letzten ein bis drei Jahre zusammensetzt. Die erwachsenen Elterntiere führen ihre Gruppe über ein System der Arbeitsteilung an.
 
 
Die Eltern unserer Wolfsfamilie waren noch sehr jung und  die Gruppe klein. Die Familie bestand aus Vater Wolf, Mutter Wolf und  ihren drei Kindern. Die Kinder waren längst keine Babys mehr sondern zu wunderschönen Jung-Wolf-Rüden  heran­ge­wachsen. Vom Charakter und Aussehen her waren die Geschwister so unter­­schied­lich, wie es unterschiedlicher nicht sein kann.
 
Kunan, der kleinste Jungwolf, kam ganz nach seiner Mutter und besaß eine hell-graue, fast weiße Fellfarbe. Doch er war nicht der hellste, sein Denken war langsam. Daher hatte er Schwierig­keiten, die komplizierte Sprache seiner  Familie zu verstehen. Weil er um sein Defizit wusste, gab er sich ganz besondere Mühe, stets alles richtig zu machen. Er wollte gefallen, stellte nie in Zweifel, was seine Eltern sagten und befolgte ihre Befehle, voraus­gesetzt er verstand sie, gewissenhaft. Alle hatten ihn wegen seines freundlichen Verhaltens sehr lieb.

Onit war ein grauer Jungwolf, sehr sportlich und hochbegabt. Das Lernen fiel ihm viel leichter als seinem Bruder und bereits im Alter von nur acht Monaten verstand er die Sprache der Wölfe. Jeder konnte sich auf ihn verlassen. Onit lernte das ein mal eins der Jagd und begleitete seine Eltern, wenn es um die Nahrungs­beschaffung ging. Auch die verschiedenen Heulgesänge beherrschte er perfekt.

Iton jedoch erfand eigene Melodien, die niemand so recht verstand. Mit seiner Fellfarbe, fast schwarz, ähnelte er seinem Vater. Aber Iton war ein Querkopf. Sagte man ihm, er soll Wache halten, fing er Mäuse, sagte man ihm, er soll Mäuse fangen, legte er sich hin und schlief. Niemand konnte sich auf  Iton verlassen. Eigentlich leben Wolfsfamilien in friedlicher Eintracht und Harmonie. Jeder kennt seine Aufgaben. Sollte es trotzdem  Meinungsverschiedenheiten geben, reicht meist ein kleiner Blickkontakt oder das Zeigen eines Reißzahnes und die Wolfsordnung ist wieder hergestellt. Doch im Zusammen­leben mit  Iton funktionierten keine leisen Töne. Seine Eltern waren so verzweifelt, dass sie oft nach ihm beißen mussten, damit er sich wenigstens halbwegs normal verhielt. Doch auch die Unterwerfung, wie sie sich für einen Jungwolf seines Alters gehört hätte, war nicht seine Stärke. Iton war den Eltern gegenüber sehr respektlos.

Sein Bruder Onit beobachteten diese Auseinandersetzungen voller Sorge. Sein Instinkt sagte ihm, dass Iton den Frieden der Gruppe und damit auch seine eigene Sicherheit gefährdet. Iton sollte verschwinden. Im Beisein der Eltern hätte er sich niemals getraut, nach dem Bruder zu schnappen. War er jedoch mit ihm alleine, biss er nach ihm, wann immer sich eine Gelegenheit bot. Da Iton sein Verhalten nicht änderte, sahen die Eltern schweren Herzens ein, dass ihr schwarzes Kind eine Gefahr für die Gruppe war und sie nahmen ihn nicht mehr in Schutz.

Der Stärke und der Angriffslust seines Bruders war Iton auf Dauer nicht gewachsen. So geschah es, dass er seine Familie verließ. Ganz alleine zog der schwarze Jungwolf durch die Wälder der Rocky Mountains und musste erfahren, dass ein einsames Leben kein Zuckerschlecken ist. Seine Kraft reichte nicht aus, um große Beutetiere zu fangen. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als sich von Mäusen und Insekten zu ernähren. Auch sehnte er sich nach einem tiefen festen Schlaf denn fortan musste er schlafen und gleichzeitig Wache halten. Im Wald gab es viele Gerüche und Geräu­sche, die er nicht einordnen konnte. Er wusste nicht, wo Gefahren lauern und wo nicht. Wildhüter hatten ihn anfangs beobachtet, doch dann verloren sie seine Spur. Ob Iton so viel Lebens­er­fahrung gewann, dass er sich einem anderen Wolfs-Verband anschlie­ßen konnte oder ob er im Winter, wenn die Mäuse tief im gefrorenen Boden ihren Winterschlaf halten, verhungerte, weiß niemand. In seiner Kindheit dachte der schwarze Jungwolf, dass er zum Leitwolf geboren wäre. Aber  dies war ein Fehler. Iton war keinesfalls dumm. Falls er überlebt hat, besteht Hoffnung, dass seine bitteren Erfahrungen ihn lehrten, dass man nur ein Leitwolf, das heißt ein guter Familienvater werden kann, wenn man die Wolfsregeln befolgt, schlau, gütig, hilfsbereit und freundlich ist.

Vater und Mutter Wolf waren anfangs sehr traurig über das Verschwinden von Iton. Doch das oberste Gebot unter Wölfen ist die Freiheit. Selbstverständlich hatte ihr schwarzes Kind das Recht, frei zu sein und eigene Wege zu gehen. Daher suchten sie nicht nach ihm und lebten fortan in Ruhe und Frieden mit ihren zwei ver­bliebenen Söhnen.
 
Onit entwickelte sich hervorragend. Doch dann kam auch er in das Alter, wo es völlig normal ist, seine Grenzen auszutesten. Für einen aufgeweckten Jungwolf ist es wichtig, eigene Ideen und ein selbständiges Handeln zu entwickeln. So geschah es, dass er einige Entscheidungen seiner Eltern anzweifelte, manchmal nicht gehorchte und strafende Blicke seines Vaters ignorierte. Mitunter folgten dann recht lautstarke Ausein­ander­setzungen, die jedoch nie in einer Beißerei endeten, weil Onit die Regeln der Unterordnung beherrschte und den Eltern gegenüber den not­wendigen Respekt zollte.

Kunan war weiterhin stets darauf bedacht, keinen Fehler zu machen. Doch gerade wenn man Fehler vermeiden möchte, geschehen sie. Da er die Sprache und Gestik seiner Familie nicht so gut verstand, dachte er, dass die Streitigkeiten zwischen seinen Eltern und Onit von gleicher Art sind, wie sie damals mit  Iton geschahen. Also bildete er sich ein, seinen Eltern helfen zu müssen, um hierdurch mehr Anerkennung zu finden. Kunan schnappte nach dem Bruder. Dies war jedoch völlig falsch! Onit wurde durch den unerwartet plötzlichen Angriff seines Bruders so überrascht, dass er vergaß, zurück zu beißen. Er hatte seinen kleinen, weißen, freundlich hilfsbereiten Bruder immer geliebt und geachtet. Doch nun war das gute Verhältnis der Geschwister ernsthaft gestört. Kunan jedoch war sich in seiner naiven Art keines Fehlers bewusst und schnappte bei nächster Gelegenheit erneut. Doch dieses Mal wehrte sich Onit reflexartig und blitzschnell, ohne den Angreifer ernsthaft zu verletzen, denn er wusste, Verletzungen schwächen die Gruppe. Kunan erkannte die Stärke und damit den Führungs­anspruch seines Bruders. Nach wolfsart bewunderte er diese Stärke und zollte seinem Bruder Respekt, indem er ihm über die Schnauze leckte. Da Wölfe nur in der Gegenwart leben und keine Vergangenheit kennen, sind sie niemals eingeschnappt oder nachtragend. Sofort war der Streit ver­gessen, die Rangordnung gefestigt und ihre Freundschaft funktionierte so gut wie früher.
 
Onit wurde der Stolz seiner Eltern, denn er besaß alle Eigenschaften die einen zukünftigen Leitwolf auszeichnen. Er beschützte seinen schwächeren Bruder, alle Hindernisse und Gefahrenstellen betrat er vor ihm, er gab ihm von seinem Fressen ab, er befolgte die Gesetze der Arbeitsteilung und er achtete sehr auf die Mimik und Gestik seiner Eltern. Onit war schlau und hatte erkannt, es sind keine laut­starken Ausein­ander­setzungen und keine Gewalt, die eine gut funktioniere Wolfsgruppe kenn­zeichnen. Das Gegenteil ist der Fall: Je besser die Zusammenarbeit und die Arbeitsteilung unter den Wölfen funktioniert, um so stärker ist die Gruppe.


Tief im Herzen der Rocky Mountains lebt auch eine drei-, nein vierköpfige Menschen-Hund-Familie. Sie besteht aus Vater, Mutter, Sohn und einem Hund namens Nanuk. Der Sohn ist ein ganz besonderes Kind, denn er ist aufgeweckt, intelligent und liebt die Natur, die Tiere des Waldes und ganz besonders den Hund. Der Junge befindet sich in genau dem Alter, wo man anfängt, selbstständig zu sein und eigene Erfah­rungen machen möchte. Manches, was die Eltern sagen, wird dann nicht beachtet, das ist die Natur der Dinge. Ebenso natürlich ist es auch, dass Eltern darüber oft verärgert sind. Mitunter reichen die leisen Töne nicht und es passieren lautstarke Ausein­ander­setzungen, manchmal sogar richtige Machtkämpfe. Nanuk liegt in seinem Körbchen und beobachtet alles.
 
Eines Tages schnappt der Hund völlig unerwartet nach dem Jungen. Der Junge ist durch den plötzlichen Angriff total überrascht, denn er hatte doch gar nichts Böses getan. Er hatte ihn nicht bedrängt oder im Schlaf gestört, wie man vermuten könnte, wenn ein Hund plötzlich beißt. Er war wirklich nur an Nanuk vorbei gegangen, noch nicht einmal gerannt. Der Junge fragt sich immer wieder: Warum hat mich der Hund gebissen? Er war doch mein Freund. Wie soll ich mich nun verhalten?

Der Junge interessiert sich sehr für das Leben der Indianer und kennt ihre Weis­heiten. Der geheimnisvolle Spruch von Tasunke Hinto, Blue Horse (Dakota)

 „Die Tiere sind unsere Verwandten und lehren uns. Solange die Wölfe leben, lebe auch ich; wenn sie sterben, sterbe auch ich.“
 
gefällt ihm besonders. Schon immer wollte er wissen, was uns die Tiere lehren können. Also geht der Junge in den Wald, setzt sich auf einen Baum und beob­achtet ein Wolfsrudel, welches in Wirklichkeit eine Fa­milie ist.

Die Wolfsfamilie besteht aus Mutter, Vater und drei halbwüchsigen Wolfs-Rüden. Die Jungwölfe sind bei Tageslicht gut zu unterscheiden. Einer hat ein fast weißes, einer ein graues und einer ein fast schwarzes Fell. Als es dunkel wird und die Nacht herein bricht, erkennt der Junge nicht mehr, wer der graue und wer der schwarze Wolf ist. Er geht nach Hause. In seinem Bett schläft er sofort ein und träumt von den Wölfen. Manchmal erscheinen im Traum Geschichten, die sich wirklich zugetragen haben.

Und am Morgen, als die Sonne auf geht, findet der Junge die Antworten auf seine Fragen, denn er ist sehr intelligent. Nun weiß er, was zu tun ist und wie er sich verhalten muss.

Astrid Venthur, November 2010 

  Anmerkung:
  In dieser Geschichte sind Namens-Rätsel versteckt.
  Um sie zu lösen, müsst Ihr folgendes wissen:
  Da sich der Junge namens Tino fortan richtig verhielt, schnappte Nanuk nie wieder nach ihm.
  (Wenn Ihr das Rätsel löst, findet Ihr Verhaltens-Zuordnungen und versteht, was uns die Wölfe lehren.)

 

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