Wir wünschen den Adoptiveltern
unserer Hunde sowie allen
Pinscher- und Hundefreunden
viel Spass beim Betrachten der Bilder
und beim Lesen der Pinscher-Geschichten.
 
 

 
Der Zwinger vom Senziger Wusel
verabschiedet sich.
 
 
Die Gründe erfahren Sie unter
Zucht / traurige Nachricht sowie unter Aktuelles / Neues von Aischa
 
 
 
 
               Ich bin leider kein Pinscher-Züchter mehr
 
 


Sie möchten sich über die Hunde-Rasse Deutscher Pinscher informieren? Sie suchen einen Hund, mittelgroß, elegant, kurzes pflegeleichtes Fell, lebhaft, ausdauernd und nicht alltäglich anzutreffen?

Vielleicht sind Sie, genau wie ich, ein Fan großer Hunderassen und mögen die Deutsche Dogge, den Dobermann, den Dalmatiner oder den Weimaraner? Jedoch diese Hunde, vor allem die Dogge, haben eine geringe Lebenserwartung, sie benötigen viel Platz und vor allem Kraft. Selbst wenn die Leinenführigkeit gut ist, sollte man bedenken, es könnte Situationen geben, wo man seinen Hund tragen muss.

Früher habe ich Dalmatiner gezüchtet. 13 Jahre lang war eine Dalmatiner-Hündin mein treuer Freund und Begleiter. Sie wollte immer in meiner Nähe sein und ich in ihrer. Als Dascha Arthrose bekam, habe ich sie 2 Jahre lang die Treppe im Haus hoch und runter getragen. Das war hart an meinem Kräfte-Limit. So entstand mein Wunsch, dass der Nachfolge-Hund etwas leichter sein sollte, aber im Wesen ähnlich und kein Schoss-Hund! Viele Rasse-Beschreibungen habe ich gelesen, Züchter aufgesucht und Hunde-Ausstellungen besucht.

Im Deutschen Pinscher, er ähnelt in seinem Erscheinungsbild einem kleinen Dobermann (in deren Zucht er mit einging), wiegt 13-18 kg, hat eine Schulterhöhe von 45-50 cm und besitzt eine Lebenserwartung von 14-16 Jahren, fand ich alle Eigenschaften, die ich schätze:

  • gesunder quadratischer Körperbau, keine rassespezifischen Krankheiten
  • im Haus ruhig, draußen sehr lebhaft
  • intelligent, viel Spiellust, will und muss beschäftigt werden und braucht den engen Kontakt zu seinen Menschen, keine Zwinger-Haltung!
  • freundliches Wesen, gutartiger Charakter, kinderlieb (bei richtiger Erziehung der Kinder)
  • anhänglich, verschmust, jedoch kein "Schoss-Hund"
  • eine kleine Persönlichkeit, die mit liebevoller Konsequenz erzogen werden muss!
  • aufmerksam, mutig und wachsam, aber kein "Kläffer"
  • lauffreudig, ausdauernd und robust, ein idealer Begleiter auf Wanderungen und beim Fahrradfahren, gut geeignet für sportliche Menschen, nach entsprechender Ausbildung auch als Pferde-Begleithund einsetzbar, Lieblings-Sport: Agility
  • auch für Personen mit wenig Armkraft beherrschbar und vor allem tragbar
  • kurzes pflegeleichtes glänzendes Kurzfell, was sich völlig alleine reinigt und selbst in feuchtem Zustand nicht unangenehm riecht
  • er liebt es gemütlich und warm, für eine Haltung ausschließlich im Freien ist er nicht geeignet

Der Deutsche Pinscher ist eine sehr alte deutsche Hunderasse, die bereits 1880 im Hundestammbuch erwähnt wurde. Früher wurde er als Wachhund u. a. für Pferdegespanne sowie als Mäuse- und Rattenfänger in Haus, Hof und Stallungen eingesetzt, wobei er die Eigentümlichkeit besitzt, seine Beute oder Spielzeuge mit den Pfoten zu greifen. So bedeutet Pinscher "der Greifer oder Packer". Früher gab es eine glatthaarige und eine rauhaarige Fell-Variante. Aus den rauhaarigen Pinschern wurden die Schnauzer gezüchtet. Daher sind beide Rassen eng miteinander verwandt und dem PSK (Pinscher-Schnauzer-Klub) zugeordnet. Nach dem 2. Weltkrieg war der Deutsche Pinscher vom Aussterben bedroht und ist noch immer eine seltene Hunderasse, die 2003 zur gefährdeten Nutztierrasse erklärt wurde.

Der Deutsche Pinscher hat sich bis heute ein großes Maß an Eigenständigkeit bewahrt. Er entscheidet selber, was gut und was schlecht für ihn ist. Der Deutsche Pinscher benötigt einen engen Kontakt zu seinen Menschen und muss mit liebevoller Konsequenz erzogen werden. Eine Erziehung mit Strafe verträgt er nicht. Man würde nur erreichen, dass er sich abwendet. Mit Einfallsreichtum, Liebe und Konsequenz erreicht man jedoch (fast) alles. Ein mittelgroßer Hund, mutig genug, um Ratten zu fangen und selbstsicher genug, um Pferdediebe zu vertreiben, dieses über Jahrhunderte gefestigte Wesen hat sich bis heute weitgehend erhalten.

>1<: Es ist die Mischung aus Selbständigkeit und Anhänglichkeit, sportlicher Passion und Sentimentalität, die ihn auszeichnet. Der Deutsche Pinscher ist ein Hund für Menschen, die seine Persönlichkeit erkennen, schätzen und bewundern und ihm keinen blinden Gehorsam abverlangen. ( >1<: Annerose Kaiser, Zwinger Calpunia)

Seit dem 18. Mai 2005 lebt eine Pinscher-Hündin bei uns in Senzig (bei Königs-Wusterhausen im Randgebiet von Berlin). Sie heißt Aischa Del Fharo und kommt aus dem Bayrischen Wald. Ihre Züchter sind Sabine Hepting und Ernst Theisen-Krosse. Ihre Hunde-Eltern sind Duffyco's Fharo (mehrfacher Champion) und Duffyco's Kariss (Klubsieger). Meine Erwartungen an das Wesen eines Deutschen Pinschers wurden zur vollsten Zufriedenheit erfüllt. Aischa ist ein idealer Familien- und Begleithund, temperamentvoll, lernfreudig, aufmerksam, klug und verschmust. Zusammen mit meinem Lebensgefährten und seinem Schäferhund Barry bilden wir ein tolles Rudel und haben dank Aischa schon viel erlebt. Wenn Sie daran teilhaben möchten, wünschen wir Ihnen viel Spass auf den Seiten der Pinscher-Geschichten und beim Betrachten der Bilder aus Aischa's Fotoalbum.

Aischa ist HD-frei, besitzt eine reinerbig unverdünnte Fellfärbung und eine vorzügliche Zucht-Bewertung.

Am 21. März 2007 wurde unser A-Wurf (1. Wurf, alle Welpen-Namen beginnen mit einem "A") und am 03. August 2009 wurde unser B-Wurf geboren. Lesen Sie dazu mehr unter der Rubrik Zucht und verfolgen Sie die Geschichte unseres A- und B-Wurfes anhand der Bilder.

 

Immer wieder werde ich nach dem Wesen eines Deutschen Pinschers gefragt. Welche rassespezifischen Besonderheiten gibt es, passt ein Deutscher Pinscher in unsere Familie, wie ist sein Verhalten Kindern gegenüber  ...

Hier ist der Versuch einer Antwort, die ich in einer Mail an Pinscher-Interessierte sandte:

Liebe Frau ...,

Es freut mich, dass Sie sich für die Rasse Deutscher Pinscher so ernsthaft und gewissenhaft interessieren. Mit einer Antwort auf Ihre Fragen tue ich mich sehr schwer, weil es keine allgemeingültigen Antworten gibt. Alle Menschen unterscheiden sich, die Anforderungen an das Zusammenleben mit einem Hund sind verschieden und auch Deutsche Pinscher haben unterschiedliche Charaktere.

Als Züchter hatte ich mich oft in den Menschen (Welpenkäufer) geirrt: Da wo ich dachte, alles wäre in Ordnung, sie besitzen Hundeerfahrung (allerdings mit anderen Rassen), gab es Probleme und wo ich dachte, "Au Weih", hauptsächlich bei sehr jungen Leuten ohne Hundeerfahrung, lief es priema. Der Grund hierfür könnte sein, dass letztere ihre Gefühle für den Hund ganz rein und unverfälscht (ohne Vergleiche mit früheren Hunden und ohne den Zwang, pedantisch Lehrbuchwissen 1:1 umsetzen zu wollen) dem Hund übermitteln. Ein gutes Gefühl hatte ich bei einer Familie, die im Vorfeld etliche Bücher über Hundeerziehung gelesen hatte, weil sie unbedingt alles richtig machen wollten. Was jedoch fehlte, war das Gefühl für den Hund, die Liebe, das Einfühlungsvermögen. Es ging nicht gut und bald musste ein neues zu Hause gesucht werden. Ein Hund und ganz speziell ein sehr sensibler Hund, wie es der Deutsche Pinscher ist, versteht Gefühle. Ich denke, vieles in der Hundeerziehung funktioniert über den gefühlsmäßigen Austausch. Ich selber bin alles andere als ein konsequenter Mensch, aber trotzdem ist mein Zusammenleben mit Aischa harmonisch, mit gewissen Abstrichen. Das Ziehen an der Leine konnte ich ihr z.B. nie wirklich abgewöhnen. Jeder hat den Hund, den er verdient und zwangsläufig auch den Hund, der zu einem passt. Mir wäre eine "Gehorsamsmaschine", wie es der Schäferhund meines Lebensgefährten ist, zu langweilig. Ich mag viel lieber so etwas "lebhaftes und leicht durchgeknalltes", wie es meine Aischa ist. Dass sie auf Spaziergängen in wilden Kreisen um mich rumtobt, nehme ich in Kauf und eigentlich gefällt es mir sogar. Was man von seinem Hund erwartet, ist Ansichtssache. Will man einen Hund, auf den man sich wirklich verlassen kann und der einem zum Gefallen gehorcht, sollte man auf andere Rassen, wie z.B. Schäferhund, Labrador (haben unsere Nachbarn und die kleinen Kinder krabbeln darauf rum, was ich mir bei Aischa nicht vorstellen könnte) oder Elo (letztere ist eine noch sehr junge Hunderasse und wurde speziell als unproblematischer Familienhund gezüchtet) zurück greifen.

Deutsche Pinscher haben einen eigenständigen Charakter, sie sind Individualisten, was jedoch keinesfalls bedeutet, dass sie nicht verschmust und anhänglich sind. Unserem Schäferhund ist es egal, wenn sein Herrchen nicht zu Hause ist. Bei Aischa habe ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich sie mal nicht mitnehmen kann, weil ich weiß, dass sie dann leidet, genau so, wie ich es tue, wenn sie nicht bei mir ist. Ich würde Aischa aus diesem Grund auch nie in eine Pension geben.

Eine weitere Charaktereigenschaft ist, dass ein Deutscher Pinscher nichts vergisst. Wird er (in seinen Augen) ungerecht behandelt und ständig missverstanden, könnte dies leicht zu einer lebenslangen Störung seines Verhältnisses zum Besitzer führen. Unser Schäferhund verkraftet menschliches Fehlverhalten besser. Dadurch, dass er nicht so sensibel ist, wirkt er allerdings auch unpersönlicher. Eine körperliche Bestrafung verträgt ein Pinscher überhaupt nicht. Überall wird beschrieben, dass ein Pinscher mit Einfühlungsvermögen und liebevoller Konsequenz erzogen werden muss!!! Darauf sollte man unbedingt auch bei der Auswahl einer passenden Hundeschule achten. Eine Belohnung für richtiges Verhalten (positive Verstärkung) ist unbedingt einer Bestrafung für schlechtes Verhalten vorzuziehen, die Hunde sollten liebevoll behandelt werden und die Ausbildungsmethoden sowie Lernziele sollten zum eigenen Charakter und den persönlichen Anforderungen an den Hund passen. Nur wenn die Erziehung Spass macht, weil man sich nicht zwingen oder verstellen muss, funktioniert es!
Wie sehr sich ein Pinscher lebenslang schlechte Erfahrungen merkt, zeigt, dass ich Aischa nie wieder zum Schwimmen überreden konnte, nachdem sie im Welpenalter fast ertrunken wäre (Geschichte mit der Astgabel auf meiner Homepage) und dass es Monate dauerte, bis sie wieder vorwärts (sie betrat das Zimmer rückwärts) zur Terrassentür herein kam, weil sie mal mit nassen Pfoten auf den Fliesen ausgerutscht war.
Dass Pinscher nichts vergessen, ist auch einer der Gründe, weshalb es zu ernsthaften Problemen zwischen Kindern und Pinschern kommen kann. Man sollte höllisch aufpassen, dass Kinder dem Hund niemals weh tun, ihn nicht erschrecken oder stören! Kinder und Hunde sind unberechenbar und die Aufsicht obliegt ausschließlich der Verantwortung von Erwachsenen.

Ein Pinscher-Welpe muss erst lernen, dass Menschenhaut viel dünner ist, als die Haut seiner Wurfgeschwister, mit denen er bisher spielte. Welpenkrallen sind sehr scharf. Etliche Welpenkäufer sagten mir, ihre Hände und Arme sähen aus, als wären sie nackt durchs Dornengestrüpp gelaufen. Im Zusammenhang mit seiner Sprungkraft und seinem stürmischen Wesen kann es leicht sein, dass insbesondere kleinere Kinder damit nicht zurechtkommen. Entwickelt sich Angst, hat man schlechte Karten, weil Hunde und speziell sensible Hunde auf Angst so reagieren, wie man es nicht möchte. Mit Angst kommen sie überhaupt nicht zurecht und können extremes Fehlverhalten entwickeln. Wenn meine kleine, Hunden gegenüber etwas ängstliche Enkeltochter zu Besuch kommt, sperre ich Aischa lieber weg, zumal ich meine eigene Angst davor, dass etwas passieren könnte, ebenfalls nicht im Griff habe und dieses von Aischa dann leicht fehlinterpretiert werden könnte.
Ausnahmen, durch gutes einfühlsames Verhalten und die Gewöhnung an Kinder ohne Angst nach Möglichkeit vom Welpenalter an, sind immer möglich. Eine Hündin aus unserem Wurf freut sich riesig über Kinder. Die dürfen sogar zu ihr ins Körbchen krabbeln, was ich mir bei Aischa, die wenig an Kinder gewöhnt ist, nicht so recht vorstellen kann. Diese Hündin badet auch für ihr Leben gerne, obwohl man sagt, dass Pinscher recht wasserscheu sind.

Weiterhin sollte man bedenken, je gröber ein Erwachsener oder ein Kind mit dem Hund spielt, um so gröber spielt auch der Hund. Wenn ich bei sehr schnellem und intensivem Spiel nicht aufpasse, kann es schon mal vorkommen, dass sich aus Versehen meine Hand zwischen Spielzeug und Hundeschnauze befindet. Das ist dann nicht Aischa's Schuld, sondern mein Unvermögen, nicht schnell genug gewesen zu sein bzw. das Spiel übertrieben zu haben.
 
Eine weitere rassetypische Besonderheit, die man nicht außer Acht lassen darf, ist die große Schnelligkeit eines Pinscher-Angriffes, meist ohne für uns erkennbare Vorwarnung. Das liegt wahrscheinlich darin begründet, dass Pinscher als Rattenfänger gezüchtet wurden, daher ihre Schnelligkeit und eine Ratte wird vor dem Angriff ja auch nicht erst angeknurrt. Nun möchte ich jedoch keine Angst verbreiten. Pinscher sind vom Wesen her nicht aggressiv. Sie sollten allerdings körperlich und geiistig ausgelastet sein z.B. durch lange Spaziergänge, evtl. Agility ... und brauchen die Zuwendung von ihren Menschen. Man sollte auch Begrüßungen und Liebkosungen ihrerseits gestatten. Nur so funktioniert ein "Rudel" (Dieses Wort ist allerdings laut Wolfsforschung falsch, man spricht von Familienverbänden.).

Bei uns gab es in den nunmehr 8 Jahren mit Aischa nur 4 Schnapp-Vorkommnisse, die hauptsächlich auf menschliches Fehlverhalten bzw. Fehleinschätzung zurückzuführen sind. Da auch diese das Wesen eines Pinschers beschreiben, will ich sie nicht vorenthalten :

(Der Unterschied zwischen schnappen und beißen ist der, dass beißen auf aggressives, bösartiges Verhalten zurückzuführen ist, was in allen 4 Fällen nicht zutraf.)

Im Welpenalter hatte Aischa einmal versucht, nach meinem Lebensgefährten zu schnappen. Das geschah, als sie so halb auf meinem Schoß lag und er mit mir schmusen wollte. Wir haben sofort richtig reagiert, Aischa flog vom Sova und fortan räumt sie immer freiwillig den Platz, sobald sich Frank mir nähert. Eine richtige Erfahrung im richtigen Moment kann also ein Leben lang halten, was den Pinscher zu einem sehr gelehrigen, intelligenten und damit leicht erziehbaren Hund macht, wenn alles richtig läuft.

Das 2. Schnappen geschah, als mein 6-jähriger Enkelsohn aufs Bett sprang, auf dem Aischa unerlaubter Weise schlief. Sie bekam einen Schreck und kniff blitzschnell in seinen Arm. Blut war nicht geflossen, also war ihr Angriff, falls es überhaupt einer war, sehr halbherzig, wir hatten Glück.

Das 3. Schnappen geschah nach einem für Aischa sehr anstrengenden Tag auf dem Schiff, auf dem sich Aischa unwohl fühlte, als eine fremde Person, der ich - wie peinlich !!!- das Streicheln erlaubt hatte, sie anfassen wollte. Bis dato hatte es Aischa immer genossen, mit fremden Personen anzubändeln. Der Fehler lag bei mir, ich hatte nicht berücksichtigt, wie fertig Aischa war und dass sie in diesem Moment ihre Ruhe haben wollte.

Und ein 4. mal schnappte Aischa, als meiner Nachbarin ein Brocken vom Teller gefallen war, den sie aufheben wollte. Auch hier gab es nur eine ganz kleine Schramme und einen Schreck. (Zu Aischa's Entlastung: Unsere "Übereinkunft" ist: Alles was herunter fällt, darf Aischa nehmen, dafür stiehlt sie nichts vom Tisch. Meine Nachbarin wusste dies nicht.)

Damit nun kein falscher Eindruck aufkommt, hätte ich unter den Tisch gefasst, wäre nichts passiert, denn Aischa hat großes Vertrauen zu mir. Nie würde sie mir etwas tun, wenn ich ihr Futter weg nehme. Ich konnte sie sogar, ohne ihr einen Maulkorb umzubinden, auf dem Tierarzttisch fest halten, als ihr damals, als sich die Fäden nach der OP nicht auflösten, die entzündeten Stellen ohne Narkose aufgeschnitten werden mussten.

Tendentiell sagt man, dass Hündinnen noch ein wenig verschmuster wären als Rüden. Aber auch unter unserem Rüden-Nachwuchs (insgesamt 10 Rüden) gibt es wahre Schmuse-Künstler. Schaut man jedoch regelmäßig auf die Seiten der Deutschen Pinscher Initiative, fällt auf, dass Rüden-Besitzer öfter mit dem Verhalten ihrer Hunde überfordert zu sein scheinen, als die Besitzer von Hündinnen. In 3 Fällen gab es auch bei unserem Rüden-Nachwuchs "Schnapp-Probleme", die etwas heftiger waren, als ich sie von Aischa kenne. Die Ursachen waren jedoch ähnlich und konnten erkannt und beseitigt werden. In einem Fall lag es warscheinlich daran, dass der Rüde Hormon-Medikamente für eine Chemische Kastration bekam, die sein Verhalten beeinflussten. Bei den 9 Hündinnen sind mir nie Probleme bekannt geworden.   

Pinscher sind hervorragende unbestechliche Menschenkenner. Sie spüren sofort, wer sie mag. Man kann jedoch nicht verlangen, dass alle Menschen Hundefreunde sind. Kommt mal jemand zu Besuch, der Hunde nicht wirklich mag, oder der gar Angst hat, muss ich entsprechend aufpassen, damit nichts passiert oder Aischa weg sperren. Kommen hingegen Hundefreunde, kuschelt Aischa sehr gerne mit ihnen. Ich empfehle allen Welpenkäufern, den Hund nicht zum Wachhund zu erziehen, denn das kann leicht nach hinten los gehen. Der Wachtrieb und Beschützerinstinkt ist ohnehin vorhanden und es besteht kein Anlass, diesen durch Erziehung zu verstärken.

Auf das Fehlverhalten eines Hundes muss man sehr schnell reagieren. Damit eine Verknüpfung zwischen unserer Reaktion und seinem Verhalten erfolgt, hat man nur max. eine Sekunde Zeit. Ist man nachtragend, wird es vom Hund, speziell vom sensiblen Pinsch nicht verstanden. So etwas führte warscheinlich bei einem Pinscher aus meiner Zucht zum Bruch zwischen ihm und seinen ersten "Eltern". Nachtragendes Verhalten kennen Hunde nicht. Sie fühlen sich missverstanden und ausgegrenzt. Man muss sich immer vor Augen halten, dass Hunde nur im Augenblick leben.

"Hippeliges" Verhalten eines Pinschers kommt eigentlich nur im Welpenalter vor. In der Zeit, bis sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hatte, war z.B. das Anlegen von Leine und Halsband jedes Mal eine kleine Herausforderung.

Wenn ich mich nicht um Aischa kümmere, schläft sie den ganzen Tag, vorzugsweise in dem Raum, wo ich mich gerade aufhalte. Sie besitzt viele "Körbchen". Nur wenn es zum Spaziergang raus geht, ist sie voll aufgeregt. Was passiert, wenn im Haus durch Familie und Kinder Hektik herrscht, ob sie dann immer noch ruhig schlafen oder daneben sitzen würde, wie Sie in Ihrer Mail fragten, kann ich nicht einschätzen.

Das Jagdverhalten ist mehr oder weniger ausgeprägt. Aischa hat davon leider recht viel abbekommen, so dass ich auf Spaziergängen besser die 10 m lange Roll-Leine benutze. Die Kinder von Aischa laufen auf Spaziergängen alle im Wesentlichen, wenn keine Gefahr durch Straßenverkehr o. ä. besteht, frei. Für ihre Erziehung wurde der natürliche Folgetrieb eines Welpen ausgenutzt, oder es wurde mit Klickertraining, Hundepfeife oder Schleppleine gearbeitet und der Hund erst wirklich frei gelassen, wenn das Herankommen klappte. Die Erziehung ist selbstverständlich etwas schwieriger, als bei anderen trägeren Hunderassen, wo der Lauftrieb nicht so stark nausgeprägt ist.

Ich hatte festgestellt, jeder unseres Pinscher-Nachwuchses wurde das Abbild der Erziehung in seiner Familie. Ein Zusammenhang, wie die Pinscherlein bei mir waren und wie heute, lässt sich nicht mehr feststellen. Es gibt auch Pinscher, die haben bereits mit einem Jahr die Begleithundeprüfung, arbeiten als Therapiehunde, laufen viel braver an der Leine als meine Aischa. Hochachtung davor, aber neidisch bin ich nicht. Ich habe den Hund, der zu mir passt und den ich über alles liebe. Nur darauf kommt es an, auf diese Liebe zum Hund, der unbedingt als vollwertiges Familienmitglied behandelt werden sollte und den alle Familienmitglieder in seiner ganzen Persönlichkeit achten müssen, damit ein harmonisches Zusammenleben funktioniert. Ein Pinscher spürt sehr sensibel Konflikte in der Familie. Dieses kann auch ein Grund dafür sein, wenn plötzlich Fehlverhalten auftreten.

Für mich ist das Wesen eines Deutschen Pinschers spannend und interessant, es passt zu mir. Mir gefällt seine Eleganz, seine Lebhaftigkeit und seine Gelehrigkeit gepaart mit Sensibilität. Andere könnten sagen, diese Rasse wäre ihnen zu anstrengend.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit meinen Erfahrungen, die ich ausschließlich durch Aischa und teilweise durch die Erfahrungen meiner Welpenkäufer gewonnen habe und die daher keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit besitzen, geholfen habe und einige Wesensmerkmale des Deutschen Pinschers an Hand von Beispielen erklären konnte.
 
Viele liebe Grüße von
Astrid

 

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